Um den Johannitag Ende Juni steht das Johanniskraut in voller Blüte, und daher hat es seinen Namen. Man nennt es auch Sonnenkraut, weil es sein leuchtendes Gelb wie ein Stück Sommersonne trägt. Für mich gehört es fest zur Sommersonnenwende.
Woran ich es erkenne
Das echte Johanniskraut wird knie- bis hüfthoch und trägt viele kleine, goldgelbe Blüten mit fünf Blütenblättern. Zwei Kennzeichen sind sicher: Hältst du ein Blatt gegen das Licht, siehst du feine helle Punkte, als wäre es durchlöchert. Und zerreibst du eine Blütenknospe zwischen den Fingern, färbt sie sich rot. Der Stängel ist zweikantig. Diese Kombination macht es unverwechselbar.
Das rote Öl
Die bekannteste Zubereitung ist das Rotöl. Dafür setze ich die frischen Blüten und Knospen mit Pflanzenöl an und lasse sie einige Wochen in der Sonne ziehen, bis das Öl tiefrot wird. Es ist eine der schönsten Verwandlungen in der Kräuterküche, aus Gelb wird Rot.
Ein wichtiger Hinweis
Beim Johanniskraut bin ich besonders deutlich. Es kann die Haut lichtempfindlicher machen, nach dem Auftragen des Öls also nicht in die pralle Sonne gehen. Innerlich eingenommen kann es außerdem die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, darunter die Pille und einige andere. Wer Medikamente nimmt, spricht das bitte vorher mit Ärztin, Arzt oder Apotheke ab. Ich gebe hier Brauchtum und Erfahrung weiter und ersetze keine Beratung.
Was es ausmacht
Das Johanniskraut ist seit alter Zeit die Pflanze der Sommersonnenwende. Man band es zu Kränzen, steckte es über die Tür und warf es ins Sonnwendfeuer. In manchen Gegenden hieß es Hexenkraut, weil man ihm zutraute, Unheil vom Haus fernzuhalten. Aus der Pflanze werden heute auch Arzneimittel hergestellt, das ist ein eigenes Feld und gehört in die Apotheke. Mich zieht das andere an: das rote Öl auf der Fensterbank und der feste Platz, den diese Pflanze im Jahreskreis hat.
Halt ein Blatt gegen die Sonne
Halte Ende Juni einmal ein Blatt gegen die Sonne und such die kleinen hellen Punkte. Hast du das echte Johanniskraut gefunden, verstehst du schnell, warum es Sonnenkraut heißt. Beim Räuchern und im Jahreskreis kommen wir immer wieder darauf zurück.