Gemmotherapie ist ein sperriges Wort für eine einfache Idee: Man nutzt die frischen Knospen und jungen Triebe von Bäumen und Sträuchern. Der Name kommt vom lateinischen gemma, der Knospe. Es ist ein vergleichsweise junges Feld, das mich fasziniert, weil es genau im Frühjahr ansetzt, wenn alles voller Kraft steckt und die Natur langsam erwacht.
Der Gedanke dahinter
In der schwellenden Knospe liegt die ganze Anlage der künftigen Pflanze, Blatt, Blüte und Trieb in einem. Die Gemmotherapie greift genau diesen Moment auf und verarbeitet die frischen Knospen zu Auszügen, den Gemmomazeraten. Für mich ist das eine folgerichtige Ergänzung zur übrigen Kräuterkunde.
Wie die Auszüge entstehen
Frische Knospen werden früh im Jahr gesammelt und in einer Mischung aus Alkohol, Glycerin und Wasser angesetzt. Die bekanntesten sind Knospen von Birke, Buche, Schwarzer Johannisbeere oder Rosskastanie. Das Sammeln braucht ein sicheres Auge, denn man erntet zur richtigen Zeit und nur so viel, dass der Baum oder Strauch gesund bleibt.
Meine Zurückhaltung
Ich stelle die Gemmotherapie vor, weil sie zur Knospen- und Baumkunde dazugehört, und bleibe zugleich zurückhaltend. Sie ist Erfahrungsheilkunde und kein Ersatz für ärztlichen Rat, mehr behaupte ich darüber nicht. Wer sie ausprobieren möchte, informiert sich gut und bleibt bei bekannten, sicher bestimmten Arten, oder kommt in den Workshop, in dem wir die Gemmomazerate selbst ansetzen.
Was mich daran reizt
Mich reizt der Zeitpunkt. Die Gemmotherapie schickt einen im zeitigen Frühjahr hinaus, wenn sonst noch wenig wächst, und schärft den Blick für die Knospen, an denen man sonst achtlos vorbeigeht.
Die Knospen in der Ausbildung
In der Ausbildung schauen wir uns die Knospen im Frühjahr genau an und ordnen die Gemmotherapie in die Baumkunde ein. Wer den ersten Trieb einer Knospe bewusst betrachtet hat, sieht den Frühling danach mit anderen Augen.