Es gibt Pflanzen, die Frauen seit vielen Generationen begleiten, durch die jungen Jahre, die Zeit der Mutterschaft und die Wechseljahre. Ich stelle dir fünf davon vor. Was ich weitergebe, ist überliefertes Erfahrungswissen, kein ärztlicher Rat.
Ein Wort vorweg
Diese Kräuter ersetzen keine Ärztin, keinen Arzt und keine Hebamme. Bei Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit und wenn du Medikamente nimmst, sprich bitte vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke. Ich verspreche keine Wirkung, ich erzähle, wofür diese Pflanzen bekannt sind.
Frauenmantel (Alchemilla)
Der Frauenmantel trägt seinen Namen nicht ohne Grund. Oft glänzt ein Wassertropfen in der Mitte eines Blattes. Das sind keine Tautropfen, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Es handelt sich um Guttationsflüssigkeit, die aus den winzigen Drüsen am Blattrand austritt und in die Mitte rollt. Den Alchemisten galt dieser Tropfen als etwas Kostbares, daher der botanische Name Alchemilla.
In den alten Kräuterbüchern steht kaum eine Pflanze so für die Frauenheilkunde wie der Frauenmantel, und in den Bauerngärten hatte er seinen festen Platz. Verwendet wurden Blätter und Blüten als Tee, der herb schmeckt und sich gut mit Melisse oder etwas Minze verträgt. Ich sammle die Blätter am Vormittag, wenn der Tropfen noch in der Mitte steht.
Schafgarbe (Achillea)
Die Schafgarbe ist ein traditionelles Frauenkraut, das in keiner Hausapotheke fehlen durfte, vor allem als Tee, Tinktur oder Salbe. Mehr zu ihr steht in ihrem eigenen Porträt.
Rotklee (Trifolium pratense)
Der Rotklee, auch roter Wiesenklee genannt, enthält neben Vitaminen und Mineralstoffen sogenannte Phytoöstrogene, pflanzliche Stoffe, deren Bau dem weiblichen Hormon ähnelt. Sie stecken nicht allein in den Blüten. In der Überlieferung hat der Rotklee seinen Platz rund um die Wechseljahre, meist als Tee. Im Workshop stellen wir außerdem eine Salbe aus den Blüten her.
Gerade weil hier hormonähnliche Pflanzenstoffe im Spiel sind, ist das keine Pflanze zum Nebenbei-Ausprobieren: Bei Schilddrüsenerkrankungen und bei der Einnahme von Hormonpräparaten oder Blutverdünnern gehört das vorher mit Ärztin oder Arzt besprochen.
Himbeere (Rubus idaeus)
Himbeerblätter gehören zu den Pflanzen, die Hebammen seit Generationen kennen. Rund um Schwangerschaft und Geburt ist die Hebamme die richtige Adresse, und dabei belasse ich es hier.
Was ich dir zeigen kann, ist die Pflanze. Die Blätter sind gefiedert, oberseits frischgrün und unterseits weißfilzig, du findest sie fast das ganze Jahr am Waldrand und in der Hecke. Getrocknet geben sie einen milden Tee, der ein wenig an schwarzen Tee erinnert, und weil sie so unauffällig sind, übersieht man sie neben den Früchten fast immer.
Gänsefingerkraut (Potentilla anserina)
Das Gänsefingerkraut wächst bei uns an Wegrändern und auf beweideten Flächen, silbrig behaart auf der Blattunterseite, mit gefiederten Blättern und gelben Blüten. In den alten Kräuterbüchern läuft es unter dem Namen Krampfkraut, woran man sieht, welchen Platz es in der Frauenheilkunde einmal hatte. Genutzt wurde es als Tee oder Tinktur, wobei eine Tinktur deutlich konzentrierter ist als ein Aufguss.
Es enthält reichlich Gerbstoffe, und die sind nichts für den Dauergebrauch. Zum Kennenlernen ist es trotzdem eine dankbare Pflanze: Die silbrige Blattunterseite leuchtet richtig auf, wenn der Wind über die Weide geht.
Was ich dir mitgebe
Diese fünf Pflanzen tragen viel altes Wissen, und mir gefällt daran, dass es meist von Frau zu Frau weitergegeben wurde, im Garten und in der Küche, nicht aus Büchern. Genau so gebe ich es weiter. Was dein Körper braucht, weiß deine Ärztin besser als jedes Kraut. Und danach kann man in aller Ruhe schauen, was auf der Wiese steht.