Die beiden Wegeriche wachsen genau dort, wo ihr Name sagt: am Weg. Sie sind so unscheinbar, dass fast jeder auf ihnen herumtritt, ohne sie zu kennen. Dabei gehören sie zu den Pflanzen, die auf meinen Wanderungen am häufigsten in die Hand genommen werden.
Woran ich sie erkenne
Der Spitzwegerich hat schmale, lanzettliche Blätter mit deutlich hervortretenden Längsnerven und eine kurze, braune Blütenähre auf einem kantigen Stiel. Der Breitwegerich legt breite, ovale Blätter flach als Rosette auf den Boden und trägt eine lange, dünne Blütenähre. Beide haben diese kräftigen Längsnerven im Blatt, an denen man die Wegeriche gut erkennt.
Der Griff für unterwegs
Wer sich in einen Brennnessel-Bestand gewagt oder einen Insektenstich abbekommen hat, dem zeige ich gern den ältesten Wandertrick: ein Wegerichblatt zwischen den Fingern zerreiben, bis der Saft austritt, und auf die Stelle legen. Diesen Griff geben Wanderer seit Generationen weiter, und das frische Blatt fühlt sich angenehm kühl an. Als Bergwanderleiterin sage ich aber auch dazu: Wenn eine Stelle stark anschwillt oder du weißt, dass du auf Stiche heftig reagierst, ist das kein Fall für ein Blatt. Dann geht es zum Arzt, und zwar zügig.
In der Küche und in der Vorratskammer
Junge Blätter kann man kleingeschnitten unter den Salat mischen, ältere werden zäh. Ich koche gerne eine Suppe aus den Spitzwegerichblättern: Lässt man sie 15 Minuten köcheln, entwickelt sich ein feines Champignonaroma. Die getrockneten Samen können wie Flohsamen verwendet werden. Und dann ist da der Spitzwegerichsirup, der in vielen Vorratskammern steht, in meiner auch: Blätter schichtweise mit Zucker ins Glas, fest andrücken, stehen lassen, bis sich der Saft zieht. Das dauert seine Wochen und braucht sonst nichts.
Was sie ausmacht
Die Wegeriche stehen fast das ganze Jahr da, wachsen überall und sind leicht zu erkennen. Genau das macht sie zu idealen Einsteigerpflanzen. Wer sie einmal kennt, sieht sie plötzlich an jedem Weg, und das ist beim Bestimmenlernen der Moment, an dem es anfängt, Freude zu machen.
Schau an den Wegrand
Beim nächsten Spaziergang schau an den Wegrand statt darüber hinweg. Der Wegerich ist fast sicher da. Auf einer Wanderung zeige ich dir beide und den Griff für unterwegs.