Wenn ich erzähle, dass ich einen großen Teil meiner Küche von der Wiese hole, ernte ich oft ein Stirnrunzeln. Unkraut, das man doch wegmacht? Für mich ist es genau umgekehrt. Die Pflanzen, die ungefragt vor der Haustür wachsen, sind zäh und nährstoffreich, kosten nichts, und die meisten davon kann man essen.
Was auf der Wiese wächst
Wildkräuter enthalten oft ein Vielfaches an Vitaminen und Mineralstoffen von dem, was im Beet gezogen wird. Brennnessel, Giersch und Löwenzahn liefern Eisen, Eiweiß und Bitterstoffe, und sie tun das kostenlos, ohne Dünger und ohne mein Zutun. Was gezüchtetes Gemüse an Größe gewonnen hat, hat es an Kraft oft verloren.
Warum uns die Bitterstoffe fehlen
In unserem Essen ist fast alles auf mild und süß getrimmt. Die Bitterstoffe sind dabei über die Jahre aus den Pflanzen herausgezüchtet worden. Auf der Wiese sind sie noch da. Wer sich langsam daran gewöhnt, schmeckt nach einer Weile wieder Unterschiede, die vorher untergegangen sind.
Ein Stück Unabhängigkeit
Mich hält vor allem eines fest: Eine Pflanze, die ich selbst erkenne, sammle und zubereite, macht mich ein Stück weit unabhängig. Ich weiß, wo sie wächst, was auf der Wiese passiert und was am Ende auf dem Teller liegt. Das ist ein anderes Gefühl als die Tüte aus dem Regal.
Wie du anfängst
Fang mit einer einzigen Pflanze an, die du sicher erkennst. Der Löwenzahn eignet sich gut, weil er kaum zu verwechseln ist. Lerne ihn richtig kennen, bevor du zur nächsten Pflanze gehst. Sicheres Bestimmen steht immer an erster Stelle, denn es gibt auch giftige Pflanzen. Im Zweifel lässt du eine Pflanze stehen.
Was ohnehin schon da ist
Lange bevor jemand von Trends sprach, waren Wildpflanzen das, was vor der Tür stand und als Nahrung und Heilmittel diente. Wir müssen nur wieder lernen, es zu sehen. Wenn du magst, zeige ich dir bei der nächsten Wanderung, was auf deiner eigenen Wiese alles wächst.